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Sport und Show

Es ist eine universale Eigenschaft des Menschen, sich mit seinesgleichen zu messen. Von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter, in der Freizeit und im Beruf streben wir nach Bestätigung, Anerkennung, Erfolg oder gar Ruhm. Tiere spielen dabei oft eine tragende Rolle, sind im besten Fall unsere Partner, oft aber auch nur Mittel zum Zweck. In Schönheitswettbewerben oder Zuchtschauen gewinnt jener Tierhalter, dessen Tier am ehesten den Vorgaben von Rassestandards oder den persönlichen Geschmäckern von Richtern gerecht wird. In Sportveranstaltungen schwingt obenaus, wer neben seinen eigenen Fähigkeiten das am besten ausgebildete, trainierte und auf seine Aufgaben optimal vorbereitete Tier einsetzen kann. Stets mit dem Vorbehalt, dass auch die tierische Leistung stets einer menschlichen, sprich richterlichen Willkür ausgesetzt ist. Wer sich mit Tieren in den Wettbewerb begibt, unterliegt schnell der Versuchung, sich und dem Tier einen Vorteil zu verschaffen, oft mit fragwürdigen Mitteln. Es beginnt bei der Selektion nach den "richtigen" Phänotypen, setzt sich in der Ausbildung der Tiere fort und endet mit dem Einsatz fraglicher und unerlaubter Eingriffe und Hilfsmittel. Oftmals wird dabei vergessen, dass das Wohlbefinden der Tiere kurzfristig oder nachhaltig eingeschränkt ist und dass sie Angst, Schmerzen, Leiden, Schäden oder gar den Tod erleiden können. Kompanima will hier genau hinschauen, will Wissenslücken schliessen und ein tierwohlbewussteres Verhalten bei Tierhaltern, Ausbildnern und Richtern fördern.


Ohne Hund kein Profil

Hunde sind beliebte tierische Begleiter bei allerlei menschlichen Freizeitaktivitäten. Der Mehrheit der Hundehaltenden liegt eine ausreichende Beschäftigung des Tieres am Herzen und erachtet den Besuch einer Hundeschule als selbstverständlich. Das Angebot an Aktivitäten und Ausbildungsmöglichkeiten ist gross, ebenso vielseitig sind die angewandten Methoden. Wird hier mit positiver Motivation den Hunden das Nötige beigebracht, kommen da Bestrafung mit Stöcken, Anschreien oder Trainings mit Hilfe von Zwangsmitteln  immer noch vor. Auch das Gefügigmachen durch soziale Deprivation oder der Futterentzug sind häufig und werden sogar als „die“ Ausbildungsmethodik für Hunde angepriesen. Einige Halter sehen den Hund in erster Linie als Sportgerät und wählen entsprechend geeignete Rassen, ungeachtet der rassetypischen Eigenschaften und Bedürfnisse. Bereits Welpen müssen Tricks in allen Variationen lernen, perfekt durch den Agilityslalom rennen, am Schutzdienstärmel hängen oder eine Unterordnung in Perfektion zeigen. Dass ein jugendlicher Körper und Geist häufig noch nicht für solch komplexe Aufgaben vorbereitet ist, wird ignoriert. Auf den sozialen Plattformen werden Hundeleistungen präsentiert und positiv kommentiert. Unwissenheit und falsche Vorbilder verunsichern in der Folge auch nicht ambitionierte Hundehalter. Schnell ist die Grenze zur Tierquälerei überschritten, wenn den Tieren Leistungen abverlangt werden, die zu Stress, Schmerzen oder chronischen Schäden führen oder wenn kranke oder verletzte Tiere in Wettkämpfen eingesetzt werden. Tierschutzwidrig ist auch die Unsitte, dass ausrangierte oder nicht einsatzfähige Hunde mitgeführt, nicht beschäftigt und stundenlang in Autoboxen eingesperrt werden. Das Angebot an Hundesportarten ist riesig und wird ständig vergrössert. Jede Disziplin birgt ihr eigenes Missbrauchspotenzial, wenn nur der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund steht. Bei Hunderennen (Windhunde, Schlittenhunde), im Schutzdienst, beim Disc-Dogging oder Agility sind die physischen Leistungen meist offensichtlich. Bei der vermeintlich harmlosen Dressur (Obedience, Unterordnung) hingegen sind psychische, aber auch physische Langzeitschäden durch permanente repetitive Trainingseinheiten gepaart mit Druckausübung auf den Hund nicht ausgeschlossen. Wissen ist daher auf allen Ebenen gefragt. Hundeausbildungen müssten zeitgemäss werden, Hundehalter sind über mögliche Überanstrengungen ihrer Hunde aufzuklären und ein Grundwissen über Haltung, Verhalten, Sozialstruktur und Kommunikation sollte auch von jedem Hundesportler, Wettkampfrichter und Trainer erwartet werden können. Kompanima wird sich mit diversen Angeboten dafür einsetzen, diese Lücken zu schliessen.


Mit Manipulation zum Ruhm

Das Pferd gilt gemeinhin als Sinnbild für Anmut, Eleganz, Kraft, Tempo und Geschicklichkeit. Vielen dient es als Statussymbol und verhilft zu Ruhm und Reichtum. In Disziplinen wie Dressur, Springen, Traben, Vielseitigkeit, Fahren, Reining, Distanzreiten, Voltigieren, Polo und Behindertenreiten löst es seine Aufgaben scheinbar spielend und versetzt uns als Zuschauer ins Staunen. Wem ist aber bewusst, dass Pferde, Ponys und Esel die einzigen Tiere sind, auf denen wir sitzen und stehen, sie mit Körpergewicht, Peitschen und Sporen unter Druck setzen oder mit einem ausgeklügelten System an Hilfsmitteln versuchen, ihre Kraft und Schnelligkeit zu bändigen? Das Reiten und Fahren als solches stellt also schon eine besondere Belastungssituation für Pferde dar. Und auch die einzelnen Teile von Zäumungen, Sattelungen und Geschirren können bei falscher Anwendung zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen. Wenn es ums Geld verdienen geht, kommen systematisch weitere Aspekte hinzu, etwa der Einsatz von Doping und anderer unerlaubter Methoden im Training und Wettkampf, die unnatürliche Haltung oder nicht artgemässe Fütterung zwecks Leistungssteigerung. Weitere Beispiele sind die inzwischen in der Schweiz verbotene Hyperflexion des Halses beim (Dressur)reiten sowie das Barren beim Springtraining oder das bewusst falsche und schmerzhafte Satteln von Islandpferden zur Betonung und besseren Bewertung der Gangart im Wettbewerb. Pferde sind insofern auch besonderen Belastungen und gar Leiden ausgesetzt, als dass sie ständige Halterwechsel erdulden müssen oder für eine andere Nutzung und oft nur mit Gewalt um"erzogen" werden. Als Schulpferde lassen sie täglich Grobheiten ungeübter ReitschülerInnen über sich ergehen. Kompanima wird mit Tagungen und Kursen speziell auch junge Menschen ansprechen und sie für diese Problematik sensibilisieren. Dazu gehört, dass die Kenntnis der Equiden, ihres (normalen und gestörten) Verhaltens und vor allem ihrer natürlichen Bedürfnisse deutlich prominenter in die Ausbildungen einfliessen werden als bei vielen üblichen Angeboten. Und weil die Esel und Maultiere/Maulesel zwar genauso Equiden, jedoch keine Pferde und schon gar nicht Tiere zweiter Klasse sind, widmet Kompanima ihnen besondere Aufmerksamkeit.


Tausendmal schöner

Die Schönheit eines Tieres liegt in den Augen des Betrachters. Dieser wiederum urteilt meist nicht biologisch, sondern geprägt von Modeströmungen und persönlichen Vorlieben. Solches schlägt sich auch in den Standards der Rasseverbände nieder. Natürlicherweise vorhandene Körpermerkmale werden durch gezielte Selektion übermassig und bis zur Qualzucht herausgezüchtet, andere gleichsam neu erschaffen. Übermässiges Haarkleid, Nacktvarianten, Kurzköpfigkeit, krumme Beine, deformierte Wirbelsäulen, befiederte Füsse oder übergrosse Kröpfe gelten als besondere Schönheitsideale und werden an Ausstellungen und Schönheitswettbewerben bevorzugt prämiert. Züchter und Abnehmer solcher Tiere nehmen zuchtbedingte Schmerzen, Leiden und Schäden bewusst in Kauf. Hunde, Katzen, Vögel, Kleinsäuger und Reptilien erfahren wegen ihres Daseins als Wettbewerbsteilnehmer vielfältige Einschränkungen bezüglich Haltung und auch Normalverhalten. Beengte Platzverhältnisse, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und dauerndes angestarrt oder gar angefasst werden bedeuten Stress und Angst. Der Einsatz von Beruhigungsmitteln soll dem entgegenwirken und auch die Wirkung des ständigen Handlings herabmildern. Kompanima setzt sich für grundlegende Verbesserungen im Zuchtwesen ein und unterstützt die Bestrebungen des Gesetzgebers, die erkannten Probleme durch schärfere Bestimmungen zu bekämpfen. So etwa durch das Verfassen von Stellungnahmen bei Anhörungsverfahren. In den Weiterbildungsangeboten soll tierartspezifisch auf tierschutzwidrige Auswirkungen des Ausstellungswesens fokussiert werden.


Klartext und Infos

Kühe leiden an Viehschauen für "Schönheitsideale"
SRF Kassensturz, 26. April 2016

Qualzuchten bei Hunden
Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (D)

Stellungnahme des Schweizer Tierschutz STS zur Verordnung des BLV über den Tierschutz beim Züchten

Qualzucht bei Heimtieren. Deutscher Tierschutzbund

Hybridkatzen - die Tierschutzrelevanz neuer Züchtungen. Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (D)

Initiative für gewaltfreies Hundetraining. Wissenschaftlich fundierter und ethischer Umgang im Training mit Hunden

Die Gesellschaft für tiergestützte Therapie und Aktivitäten GTTA ist der Berufsverband der Fachkräfte für tiergestützte Interventionen

Hunde helfen Menschen. Die Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde

Interessengemeinschaft zum Wohlergehen der Pferde. Der Verein setzt sich für die Erhaltung des physischen und psychischen Wohlbefindes der Pferde ein und informiert über pferdegerechte Haltung und schonenden Umgang mit Pferden.

SIGEF ist die schweizerische Interessengemeinschaft der Eselfreunde, die sich auch für die Bedürfnisse der Grautiere einsetzt.

IGEM e.V., die Interessengemeinschaft der Esel- und Mulifreunde in Deutschland engagiert sich für Esel, Maultiere und Maulesel

Netzwerk Pferdeforschung Jahrestagungen 2016 und 2017

Erlernte Hilflosigkeit bei Pferden? aus: Journal of Applied Animal Welfare Science 2008, p. 249-266.